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Innere Stärke in einer lauten Welt – was Resilienz wirklich bedeutet

Am Wochenende durfte ich im Rahmen des Psychodrama-Symposions mit 26 Kolleg:innen zu einem Thema arbeiten, das in vielen Praxen präsent ist – und dennoch oft unsichtbar bleibt: Neurodivergenz und Resilienz.

Ein zentraler Gedanke hat sich durch den gesamten Workshop gezogen:

Innere Stärke ist kein Persönlichkeitsmerkmal.
Sie ist das Ergebnis von Passung.

Diese Perspektive verändert den Blick grundlegend.
Nicht die Frage „Warum kommt jemand nicht zurecht?“ steht im Vordergrund –
sondern: „Was kostet es diese Person, sich anzupassen?“

Wenn Anpassung zur Dauerleistung wird

Viele neurodivergente Menschen bewegen sich in einem permanenten Spannungsfeld:

  • Anpassung sichert Zugehörigkeit
  • Authentizität birgt Risiko

Das Ergebnis ist oft eine Form von chronischer Erschöpfung, die von außen kaum sichtbar ist. Im Workshop wurde dieses „Unsichtbare“ durch psychodramatische Arbeit erfahrbar gemacht – insbesondere im sogenannten Masking-Doppel.

Hier wurde deutlich:
Ein großer Teil der psychischen Arbeit passiert im Inneren – und bleibt im therapeutischen Kontakt oft unbemerkt.

Was Resilienz heute bedeutet

Die aktuelle Resilienzforschung zeigt klar:
Resilienz ist kein stabiler Zustand, sondern ein dynamischer Prozess.

Oder zugespitzt formuliert:
Nicht die Person ist zu schwach – der Anpassungsaufwand ist zu hoch.

Das hat Konsequenzen für unsere therapeutische Arbeit.

Neuro-affirmative Räume statt Selbstoptimierung

Ein wesentlicher Perspektivwechsel im Workshop war der Schritt hin zu einer neuro-affirmativen Haltung.

Das bedeutet:

  • weg von Defizitmodellen
  • hin zu funktionalem Verstehen
  • hin zu einer Gestaltung von Kontexten, die weniger Energie kosten

Resilienz entsteht nicht dadurch, dass Menschen „mehr leisten“.
Sondern dadurch, dass Umgebungen entstehen, in denen weniger Anpassung notwendig ist.

Psychodrama als Erfahrungsraum

Im psychodramatischen Arbeiten liegt hier eine besondere Stärke:

  • Das Unsichtbare wird sichtbar
  • Innere Prozesse werden erlebbar
  • Räume können konkret gestaltet und ausprobiert werden

Gerade für neurodivergente Klient:innen eröffnet das die Möglichkeit, nicht nur verstanden zu werden – sondern sich selbst in ihrer Funktionsweise neu zu erleben.

Was bleibt

Zum Abschluss des Workshops stand ein Satz im Raum, der für viele als Essenz blieb:

Innere Stärke entsteht nicht durch mehr Anstrengung –
sondern durch Räume, die weniger Energie kosten.

© Angela Christoph 2026

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